Düngemittelanlagen für die Ernährungssicherung im Nahen Osten
Wir werden beleuchten, warum die Düngemittelbranche im Nahen Osten eigentlich zwei Geschichten zugleich erzählt: Zum einen liefert die Region einen Großteil des weltweiten Stickstoff- und Phosphatdüngers, zum anderen ist sie einer der importabhängigsten und wasserärmsten Lebensmittelmärkte überhaupt. Außerdem werden wir untersuchen, welche Bedeutung die vier in dieser Reihe behandelten Märkte für Unternehmen haben, die eine Produktionsanlage planen.
Zwei Geschichten in einer Region
Die Golfstaaten importieren schätzungsweise 851.000 Tonnen der von ihnen konsumierten Lebensmittel. Die Schätzungen für Saudi-Arabien (rund 801.000 Tonnen) und die Vereinigten Arabischen Emirate (etwa 80–901.000 Tonnen) liegen in einem ähnlichen Bereich. Diese Abhängigkeit ist ein wesentlicher Grund dafür, dass Ernährungssicherheit in der gesamten Region zu einer nationalen Priorität geworden ist – von Saudi-Arabiens Vision 2030 bis zur Nationalen Ernährungssicherheitsstrategie 2051 der Vereinigten Arabischen Emirate.
Gleichzeitig ist die Region ein bedeutender Düngemittelexporteur. Laut Daten der International Fertilizer Association entfielen 2024 zusammen rund 231 Tonnen Ammoniak, 341 Tonnen Harnstoff und 181 Tonnen ammonisiertes Phosphat auf den weltweiten Handel mit Ammoniak, Iran, Katar, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain. Die gesamte Region lieferte fast 301 Tonnen an weltweiten Exporten wichtiger Düngemittel. Der Zugang zu kostengünstigem Erdgas ist hierfür ein wesentlicher Grund. Eine Marktprognose geht davon aus, dass der Düngemittelmarkt der GCC-Staaten im Jahr 2025 ein Volumen von rund 13,5 Milliarden US-Dollar erreichen und bis 2032 auf etwa 18,8 Milliarden US-Dollar anwachsen wird.
Das Ergebnis ist eine Region, in der sich die Düngemittelindustriepolitik und die Ernährungssicherungspolitik überschneiden, jedoch nicht immer an denselben Orten. Einige Märkte sind in erster Linie Produzenten und erst in zweiter Linie Konsumenten. Andere suchen noch nach Wegen, Importe zu ersetzen.
Vier Märkte, vier Ausgangspunkte
| Markt | Dominante Nutzpflanzen | Düngerbild | Was treibt neue Kapazitäten oder die Nachfrage an? |
|---|---|---|---|
| Saudi-Arabien | Weizen, Datteln, Obst und Gemüse, Gewächshauskulturen | Zwei sehr große, exportorientierte Produzenten (SABIC Agri-Nutrients und Ma'aden); Inlandsnachfrage getrieben von Weizen, Datteln und geschütztem Anbau | Das SAN-7-Projekt von SABIC AN (+2,6 Mio. t/Jahr Harnstoff, wodurch die Gesamtkapazität von ca. 4,8 auf ca. 7,4 Mio. t/Jahr steigt); die Erweiterung von Ma'adens Phosphat-3-Anlage; eine im August 2026 unterzeichnete Absichtserklärung zwischen SABIC und Ma'aden über Agrarnährstoffprodukte mit Mehrwert |
| VAE | Gemüse aus geschütztem Anbau und andere Kulturpflanzen aus kontrollierter Umgebung | Geringer inländischer Bedarf landwirtschaftlicher Betriebe, der sich auf Düngemittel in Fertigationsqualität konzentriert; große exportorientierte Stickstoffbasis in Ruwais | Nationale Ernährungssicherheitsstrategie 2051; geplantes Wachstum von Fertiglobe in Ruwais (die unternehmensweite Kapazität soll laut Unternehmensangaben bis 2027 von 6,6 auf 7,6 Mio. t/Jahr steigen). |
| Irak | Weizen, Gerste, Reis, Datteln | Begrenzte heimische Produktion; starke Abhängigkeit von importiertem Harnstoff und DAP; akuter Wassermangel | Eine geplante Harnstoffanlage in Basra mit Investitionskosten von 1,6 Milliarden US-Dollar und einer Kapazität von 1,15 Mio. Tonnen pro Jahr; Erweiterung der DAP-Kapazitäten in Khor Al-Zubair; politische Maßnahmen zu Einfuhrzöllen und Beschaffung von Düngemitteln für 2026/27 |
| Jordanien | Tomaten, Gurken, Kartoffeln und anderes Gemüse aus dem Jordantal | Bedeutender Produzent und Exporteur von Phosphat und Kali; geringe inländische Nachfrage der Landwirtschaft | Eine Vereinbarung zwischen JPMC und APC (Juli 2025) über einen Komplex zur Herstellung von reiner Phosphorsäure und Spezialdüngemitteln in Aqaba und Shidiya |
Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate sind in erster Linie Produzenten, die Exportmärkte bedienen. Der Irak stellt in dieser Gruppe das deutlichste Beispiel für Importsubstitution dar: eine große landwirtschaftliche Basis, ein begrenztes inländisches Düngemittelangebot und mehrere neue Projekte des Privatsektors, die darauf abzielen, diese Lücke zu schließen. Jordaniens Chance liegt wiederum anders: Es besteht darin, von Rohphosphat- und Kaliexporten hin zu höherwertigen Folgeprodukten zu wechseln.
Die Schifffahrtsstörungen von 2026
Jede geplante Düngemittelanlage in dieser Region muss nun die Straße von Hormus berücksichtigen. Nach der militärischen Eskalation Ende Februar 2026 ging der Warenverkehr durch die Meerenge stark zurück. Das Internationale Handelszentrum der Vereinten Nationen schätzt, dass normalerweise etwa ein Drittel des weltweit gehandelten Harnstoffs durch die Straße transportiert wird. Dessen Analyse der Handelsdaten vom April 2026 ergab einen Rückgang der Harnstoffexporte aus den von der Straße von Hormus abhängigen Ländern um 831 Tonnen und der Ammoniakexporte um 751 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr.
Mitte Oktober 2026 zeigten Daten des WTO-AXSMarine-Trackers, dass die Düngemittellieferungen durch die Straße von Hormus Anfang September weiterhin nahezu zum Erliegen gekommen waren. Zwar wurde ein Waffenstillstand vereinbart und ein sicherer Korridor eingerichtet, doch Reedereien äußerten Bedenken hinsichtlich Versicherung und Sicherheit, und der Schiffsverkehr hatte sich nicht wesentlich erholt. Ein Teil der Fracht wird über das Rote Meer und den Suezkanal oder auf dem Landweg umgeleitet. Laut demselben Bericht treiben Schwefelpreise von über 1.000 US-Dollar pro Tonne die Phosphatproduktionskosten in anderen Regionen in die Höhe. Da sich die Lage in diesem Gebiet schnell ändern kann, beziehen sich die hier genannten Zahlen auf Mitte Oktober 2026.
Welche Märkte am stärksten betroffen sind, hängt unter anderem von der geografischen Lage ab:
| Markt | Hauptdüngemitteltor | Position relativ zu Hormuz |
|---|---|---|
| Saudi-Arabien | Jubail und Ras Al-Khair (Golfküste); Yanbu (Rotes Meer) | Gemischt. Werke an der Ostküste versenden aus dem Golf von Mexiko; die Küste des Roten Meeres bietet eine alternative Route, und SABIC soll Harnstoff per LKW von Jubail nach Yanbu transportiert haben. |
| VAE | Ruwais | Im Golf |
| Irak | Basra und Chor Al-Zubair am Schatt al-Arab | Innerhalb des Golfs; die geplante Harnstoffanlage in Basra ist auf den Inlandsmarkt ausgerichtet. |
| Jordanien | Aqaba | Rotes Meer, außerhalb der Meerenge |
Diese Tabelle zeigt die Standorte der Hauptanlagen der einzelnen Hersteller; die individuellen Frachtrouten variieren. Für die Planung eines neuen Werks ist daher von Bedeutung, dass die Diversifizierung der Routen (alternativer Hafen, Bahn- oder Straßenanschluss oder Lagerkapazitäten zur Überbrückung einer Produktionsunterbrechung) nicht nur eine logistische, sondern auch eine Planungsfrage darstellt.
Wasser ist die andere gemeinsame Einschränkung
Wasserknappheit prägt alle vier Märkte auf unterschiedliche Weise. Saudi-Arabien verfügt über weniger als 100 Kubikmeter erneuerbare Wasserressourcen pro Person und Jahr. Der Irak ist auf Tigris und Euphrat angewiesen; schätzungsweise 701.300 Tonnen seines Wassers stammen aus dem Ausland. Jordaniens Bewässerungslandwirtschaft verbrauchte historisch gesehen etwa zwei Drittel des nationalen Wassers. Auch die Düngemittelproduktion ist wasserintensiv; darauf gehen wir in unserem Artikel über Düngemittelproduktion in wasserarmen Regionen ein.
Wo Ausrüstungsentscheidungen passen
Es wäre übertrieben zu behaupten, dass Granulier-, Trocknungs- und Mischanlagen für jedes Projekt in dieser Region direkt relevant sind. Die größten Harnstoff- und DAP-Anlagen (beispielsweise SAN-7 und die Phosphatkomplexe in Ma'aden) basieren typischerweise auf lizenzgeberspezifischen Anlagen und sind sehr großtechnisch ausgelegt. Die Fragen der Anlagenbeschaffung spielen hingegen eher bei mittelgroßen Mehrnährstoff- und NPK-Anlagen eine Rolle, die auf den lokalen Bedarf an Pflanzenbauprodukten zugeschnitten sind.
| Markt | Realistische Eignung für Granulier-, Trocknungs- und Mischanlagen | Warum, und welche Grenzen gibt es? |
|---|---|---|
| Saudi-Arabien | Mittelgroße NPK-, Spezial- und Mischanlagen für den Inlandsmarkt | Die Absichtserklärung zwischen SABIC und Ma'aden deutet auf Mehrwertprodukte hin, und viele fortschrittliche Mikronährstoff- und Spezialformulierungen werden Berichten zufolge weiterhin aus dem Ausland bezogen. Die Kernanlagen für Harnstoff und DAP-Megaanlagen stellen eine andere Größenordnung dar. |
| VAE | Beschränkt | Die Inlandsnachfrage tendiert eher zu Produkten in Fertigationsqualität als zu granuliertem NPK; das Mischen und die Handhabung für den regionalen Vertrieb sind der plausiblere Ansatz. |
| Irak | Größtes Greenfield-Potenzial | Mehrere neue Projekte (darunter ein in Baiji vorgestelltes Projekt zur Herstellung von Mehrnährstoffdünger) benötigen Granulier- und Trocknungskapazitäten, und das Land verfügt über kaum bestehende nachgelagerte Produktionsanlagen. |
| Jordanien | Downstream NPK- und Spezialleitungen | Phosphat- und Kalirohstoffe sind bereits lokal verfügbar, und beim JPMC–APC-Projekt geht es explizit um die Wertschöpfung in der Produktion. |
Die Länderseiten dieser Reihe gehen auf die Besonderheiten jedes einzelnen Marktes ein.
Häufig gestellte Fragen
Warum ist die Düngemittelproduktion wichtig für die Ernährungssicherheit im Nahen Osten?
Die Golfstaaten importieren schätzungsweise 851.300 Tonnen der von ihnen konsumierten Lebensmittel, wodurch die Ernährungssicherheit in der gesamten Region zu einer nationalen Priorität geworden ist. Die heimische Düngemittelproduktion stärkt die lokale Landwirtschaft und verringert die Abhängigkeit von Importen, insbesondere in Märkten wie dem Irak, wo die Landwirtschaft zwar großflächig betrieben wird, die lokale Düngemittelversorgung jedoch begrenzt ist.
Ist der Nahe Osten ein bedeutender Düngemittelexporteur?
Ja. Im Jahr 2024 entfielen rund 341 Tonnen Harnstoff und 231 Tonnen Ammoniak auf Iran, Katar, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain. Die gesamte Region lieferte fast 301 Tonnen der weltweiten Exporte wichtiger Düngemittel, vor allem aufgrund des Zugangs zu kostengünstigem Erdgas.
Welche Länder des Nahen Ostens bieten die besten Möglichkeiten für neue Düngemittelwerke?
Jeder Markt startet von einer anderen Position aus. Saudi-Arabien baut seine exportorientierten Kapazitäten massiv aus und konzentriert sich zunehmend auf Produkte mit höherer Wertschöpfung. Die VAE verfügen in Ruwais über große Stickstoffvorkommen, die Inlandsnachfrage ist jedoch begrenzt. Der Irak bietet das größte Potenzial für die Substitution von Importen durch neue Projekte. Jordaniens Chance liegt darin, lokales Phosphat und Kali zu höherwertigen Folgeprodukten weiterzuverarbeiten.
Wie hat sich die Störung in der Straße von Hormuz auf den Düngemittelhandel ausgewirkt?
Nach der militärischen Eskalation Ende Februar 2026 ging der Warenverkehr durch die Straße von Hormuz stark zurück. Handelsdaten vom April 2026 zeigten einen Rückgang der Harnstoffexporte aus den von Hormuz abhängigen Ländern um 831.000 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr. Mitte Oktober 2026 hatte sich der Düngemitteltransport noch nicht wesentlich erholt, und ein Teil der Fracht wurde über das Rote Meer oder auf dem Landweg umgeleitet.
Welche Düngemittelmärkte sind am wenigsten den Schifffahrtsrisiken von Hormuz ausgesetzt?
Jordanien verschifft seine Schiffe über Aqaba am Roten Meer, außerhalb der Meerenge. Saudi-Arabien verfügt über eine alternative Route über Yanbu. Die Vereinigten Arabischen Emirate und der Irak hingegen verschiffen ihre Schiffe innerhalb des Golfs, wodurch sie einem höheren Risiko ausgesetzt sind. Für neue Anlagen sind Routenvielfalt und Lagerkapazität daher nicht nur logistische, sondern auch planungsrelevante Aspekte.
Wie wirkt sich Wasserknappheit auf die Düngemittelproduktion in der Region aus?
Die Düngemittelproduktion ist wasserintensiv, und Wasserknappheit prägt alle vier Märkte. Saudi-Arabien verfügt über weniger als 100 Kubikmeter erneuerbare Wasserressourcen pro Person und Jahr. Der Irak ist stark vom Tigris und Euphrat abhängig, und etwa 701.300 Tonnen seines Wassers stammen aus dem Ausland.